Newarka — Schlaraffia in Dover

Newarka · Reych Nr. 105 · Dover

Ein Reych, zweimal datiert

Am 5. Dezember 1890 stiftete die Nova Yorkia (69) in Newark eine Colonie. Anderthalb Jahre später, am 22. April 1892, wurde sie zum Reych erhoben. Das Fest dazu fand in der Burg Centralia statt — benannt nach dem Central Railroad Hotel, das seinen Namen von der Central Railroad of New Jersey hatte. Beide Daten gehören zusammen: Das Reych selbst rechnet mit dem ersten und begeht am 30. November 2026 sein 136. Stiftungsfest.

Warum gerade 1890

Zwischen 1881 und 1890 kamen 1.452.970 Deutsche in die Vereinigten Staaten — das stärkste Jahrzehnt, das die amerikanische Einwanderungsstatistik für Deutschland kennt. Von 1840 bis 1890 waren die Deutschen die größte Einwanderergruppe des Landes überhaupt, und zwischen 1820 und dem Ersten Weltkrieg wanderten insgesamt fast sechs Millionen ein.

In Newark saß diese Einwanderung im Central Ward. Der Name, der davon blieb, ist der eines Bierbrauers: Gottfried Krueger, 1851 als Sechzehnjähriger aus Deutschland zu seinem Onkel in die Newarker Brauerei geholt, ab 1875 Alleininhaber, später mit über einer halben Million Barrel im Jahr. Wer in Newark um 1890 deutsch sprach, war nicht exotisch, sondern zu Hause.

In diese Stadt und in dieses Jahrzehnt fällt die Stiftung: der 5. Christmond 1890 — Christmond ist der Dezember. Warum sich eine deutschsprachige Runde hier überhaupt halten konnte, erzählt die Seite Deutsch in New Jersey.

Der Umschlag, der alles beantwortet

Vom Abend der Sanctionsfeier ist ein Zeugnis erhalten, und zwar ein prächtiges: ein Heft von sechzehn Seiten, blauer Umschlag, mit einer Schleife geheftet. Es liegt in der Rare Book Division der New York Public Library, in der Buttolph-Sammlung von Speisekarten. Auf dem Umschlag steht in blauem Druck, mit einem Uhu im Kästchen:

Schlaraffia Newarka · Sanctionsfeier in der Bvrg Centralia am 22. des Ostermondes · 1592 ·

Die Jahreszahl 1592 ist der schlaraffische Scherz — das Reych datiert sich dreihundert Jahre zurück, wie es zum Spiel gehört. Von der Sammlerin Frank Buttolph mit der Feder ergänzt steht darunter das wirkliche Datum: Newark, N.J. · Central R.R. Hotel · 22. Apr. 1892. Zwei Namen in Bleistift halten fest, wer an jenem Abend dabei war: Herrl. Nekrassow der Weltschmerzer und Graf von Essex Passaic — der zweite trägt gleich zwei Ortsbezüge im Namen, denn Essex ist das County von Newark und der Passaic sein Fluss.

Der Atzvngs-Zeddel

Im Heft stehen fünf Liedblätter in Fraktur — Lulu Praga, die Schlaraffen-Hymne, die Schlaraffen-Schöpfung, das Lulu-Lied und das Urschlaraffenlied — und der Speisezettel. Der ist kein Speisezettel, sondern ein Stück Reychskunst. Über der Liste steht statt In arte voluptas der Kalauer In brandio volvptas, und unter jedem Gang eine Zeile aus einem der Lieder desselben Heftes.

Die Pointen muss man kennen: Avstreae Pvncti azvli sind Blue-Point-Austern, Sommerinselnknollen sind Bermuda-Kartoffeln — Bermuda hieß einmal Somers Isles —, Kasvs im Belli ist der Käse, Arabische Bohnenbrühe der Kaffee und Lvnten sind die Zigarren. Am Fuß steht: Ad memorandum: Die Interstices werden mit seyn Geredt und Leibe ausgefüllet werden — die Pausen zwischen den Gängen sind mit Rede und Fechsung zu füllen. Wer zu seiner Sanctionsfeier so einen Zeddel setzen lässt, hat das Spiel nicht erst am Vorabend gelernt.

Ein zweiter Beleg liegt auf der anderen Seite des Atlantiks: im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz zu Berlin verwahrt der Bestand Rep. 227 die Einladung zur Sanktionsfeier des Reychs Newarka am 22. April 1892 — dorthin gelangt, weil die Oldenburgia sie damals bekam und aufhob. Die Newarka hatte nach Deutschland eingeladen.

Der Kanal, der Newark und Dover verbindet

Das Reych ist später von Newark nach Dover gezogen. Sechzig Jahre vorher war diese Linie schon einmal gezogen worden, und zwar mit dem Spaten.

Am 31. Dezember 1824 erhielt die Morris Canal and Banking Company ihre Konzession, im selben Jahr begann in Newark der Bau. 1831 war der Kanal bis Newark fertig, am 20. Mai 1832 wurde er offiziell eröffnet; zwischen 1834 und 1836 kam die Verlängerung nach Jersey City. Er war 107 Meilen lang, überwand mit 23 Schleusen und 23 geneigten Ebenen einen Höhenunterschied von 914 Fuß und gilt als technische Merkwürdigkeit seiner Zeit: Die Boote wurden auf Wagen über Berge gezogen, angetrieben von Wasserrädern.

Seine Strecke ist die Geschichte dieses Reyches im Voraus. Vom Lake Hopatcong lief er durch das Tal des Rockaway River über Dover und Boonton und endete 1831 in Newark am Passaic. Am 1. November 1830 wurde der Abschnitt zwischen Dover und Newark erstmals befahren, mit Booten, die Eisenerz und Eisen geladen hatten. 1866 erreichte der Verkehr seinen Höchststand mit 889.220 Tonnen Fracht. Dann kam die Eisenbahn: 1871 verpachtet, 1922 vom Staat New Jersey übernommen, 1924 förmlich aufgegeben. Das Hafenbecken in Dover wurde zugeschüttet; darauf liegt heute der JFK Memorial Commons Park.

Der Kanal hat eine eigene Seite: Der Morris-Kanal — wie Dover und Newark zusammengehören.

Dover: Eisen, Erz und eine Stadt nach Plan

Dover liegt am Rockaway River, 37 Kilometer westlich von Newark und 50 Kilometer westlich von New York City. Am 31. Mai 1722 überschrieben Joseph Latham und seine Frau Jane 527 Acre an John Jackson aus Flushing, der sich an Granny's Brook niederließ und eine Eisenschmiede baute. Das Erz lag so dicht, dass man es in der benachbarten Dickerson Mine in Mine Hill vom Boden aufsammeln konnte. Der britische Iron Act brach Jackson das Geschäft; 1753 wurde sein Besitz vom Sheriff verkauft.

Die Stadt selbst ist ein Kind des Kanals. 1817 erhielten die New Yorker Eisenhändler Joseph Blackwell und Henry McFarlan hier etwa 450 Acre zur Schuldenbegleichung. 1825, nachdem der Morris-Kanal angekündigt war, ließen sie einen Plan für die Ansiedlung zeichnen und begannen zu bauen. 1869 wurde Dover als Town inkorporiert; 1896 wurde es selbständig und für kurze Zeit City, 1899 wieder Town.

Es gab Eisen- und Walzwerke, Maschinenbau, Öfen, Kessel und Brücken, Strick- und Seidenmühlen. Die Blackwell Street mit 52 beitragenden Gebäuden steht seit dem 21. Mai 1982 im National Register of Historic Places; der rote Ziegelbahnhof von 1901 gehört dazu.

Heute ist Dover eine Stadt, in der sich 2010 fast siebzig von hundert Einwohnern als Hispanic bezeichneten. Die Schwerindustrie ist fort. Die deutsche Sprache ist hier nicht mehr die Sprache der Straße — sie ist die Sprache eines Montagabends.

Von Newark nach Dover — in Etappen

Als die deutsche Gemeinde Newark verließ und nach Westen ins Morris County zog, zog das Reych mit. Aus der Burg Centralia in Newark wurde die Trutze Passaica in Dover. Beide Namen halten Newark fest — der eine über das Hotel, der andere über den Fluss.

Der Umzug war kein einzelner Sprung. Die Burgennamen des Reyches sind vier: Centralia, Felsburg, Schwalbenhalle und Trutze Passaica der Fuchsbau. Der Kalender des Reychsarchivs hält zwei weitere Stationen fest: den Wechsel aus der Montgomery Hall in eine neue Burg in Farcher's Grove in Union, New Jersey, gemeldet mit dem Jubelruf „Wir haben eine neue Burg, durch Uhus Gunst, wir haben eine neue Burg!“, und das 90. Stiftungsfest, zu dem das Reych am 8. Windmond a. U. 121 — Windmond ist der November — nach Summit, New Jersey lud.

Welche Burg welchen Namen trug und in welcher Reihenfolge, ergibt das Material nicht; ob Summit Burgort oder nur Festort war, ist offen. Was gesichert ist: Am Ende steht Dover, und die Burg dort heißt nach dem Fluss von Newark.

Der Name Passaica

Dass die Burg in Dover den Passaic im Namen trägt, ist mehr als eine Erinnerung — und das in zwei Richtungen.

Erdkundlich. Dover liegt am Rockaway River, und der Rockaway ist ein Zufluss des Passaic. Bei Wharton, wenige Kilometer flussaufwärts von Dover, war er an den Morris-Kanal angebunden und trug Kohle und Eisenerz. Wer in Dover am Wasser steht, steht an einem Oberlauf des Newarker Flusses.

Schlaraffisch. Der Kalender des Reychsarchivs meldet rückblickend die Gründung eines Feldlagers „Passaica“ durch Rt Nekrasso in a. U. 31 — also im Jahr der Coloniestiftung — und beschreibt die Zeit „von der ‚Passaica‘-Feldlagergründung bis zum heutigen Tage“. Auf dem Heft der Sanctionsfeier von 1892 steht als Teilnehmer Herrl. Nekrassow der Weltschmerzer. Wenn beide Namen dieselbe Person bezeichnen, dann heißt die Burg in Dover nach dem ersten Feldlager dieses Reyches, und der Name wäre älter als das Reych selbst. Die Schreibungen unterscheiden sich; wir behaupten die Gleichsetzung deshalb nicht, sondern fragen im Reychsarchiv nach.

Zwei Kriege und eine Sprache

Die Schlaraffia in den Vereinigten Staaten hat zwei schwere Einschnitte überstanden, den Ersten Weltkrieg, als alles Deutsche verdächtig war, und den Zweiten. Wie diese Einschnitte aussahen, lässt sich benennen.

Im Ersten Weltkrieg legte das Justizministerium eine Liste deutscher Ausländer an und zählte etwa 480.000; mehr als 4.000 wurden 1917 und 1918 eingesperrt. Iowa verbot 1918 mit der Babel Proclamation alle Fremdsprachen in Schulen und auf öffentlichen Plätzen; Nebraskas Verbot des Unterrichts in anderen Sprachen als Englisch hob der Oberste Gerichtshof erst 1923 auf. Die Germania Life Insurance Company in New York nannte sich Guardian, die Germania Street in Indianapolis wurde 1917 umbenannt, Sauerkraut hieß „liberty cabbage“, und viele deutsche Namen wurden anglisiert. Im Zweiten Weltkrieg mussten sich nach dem Alien Registration Act von 1940 rund 300.000 in Deutschland geborene Einwohner registrieren lassen.

Was das mit deutschen Vereinen machte, lässt sich an den Turnvereinen ablesen. Ihr Höchststand lag 1894 bei 317 Vereinen mit etwa 40.000 erwachsenen Mitgliedern. Nach 1900 und besonders nach 1917 ging es abwärts; die jüngere Generation verlangte, die Vereinsgeschäfte nur noch auf Englisch zu führen — und genau das erlaubte vielen Turnvereinen weiterzubestehen. 2011 waren es noch 54. Ein Bild für den Bruch von 1914 liefert Newark selbst: Gottfried Krueger war zu Kriegsbeginn auf Besuch in Deutschland und musste dort bleiben, bis der Krieg zu Ende war.

Die Schlaraffia konnte diesen Ausweg nicht nehmen. Sie ist ein deutschsprachiger Männerbund; die Sippung ist ohne die Sprache nicht denkbar. Ein Reych in New Jersey hatte damit die Wahl, die ein Turnverein nicht hatte — und die Newarka sippt seit 1892 weiter, montags, auf Deutsch. Dass die Nova Yorkia, die Caesarea, die Ludovica Missouria, die Baltimora und die SyracUHUsa aus derselben Generation und Gegend erloschen sind, macht diese Beharrlichkeit erst sichtbar.

Was die Jahrungen füllt

Aus dem Material des Reychsarchivs lässt sich ablesen, was dieses Reych ausmacht.

Die Uhuiversitätstagung. Sie ist die Einrichtung, für die die Newarka im Uhuversum bekannt ist, und sie findet jährlich statt. Der Kalender belegt die Ankündigung für den 15. Hornung a. U. 129 — Hornung ist der Februar —, die 31. Tagung zum Thema „Paradox“ am 20. Hornung a. U. 130 und eine 32. Tagung mit 33 Fechsungen zur Frage, „ob es sich für Erdbewohner lohnt, umzusiedeln auf den Mond“. Ihr fünfzigstes Jubiläum wurde nicht in einer Burg gefeiert, sondern auf einem Schiff.

Die Kreutzfahrt zum Stern des Nordatlantik. Die erste, von einem Sassen der Newarka ins Leben gerufen, führte vom 26. Lethemond bis zum 4. Windmond 2007 — Lethemond ist der Oktober — die Ostküste hinunter in die Karibik und zurück. An jedem Abend wurde an Bord gesippt, und jedes Reych des Sterns richtete eine Sippung aus. Der Kalender nennt 97 Einritte aus 46 Reychen auf der „Explorer of the Seas“.

Die Turneys. Das Freundschaftskettenturney mit der Filadelfia findet jährlich im Turnus statt. Das erste Don-Magistro-Turney wurde am 18. Lenzmond a. U. 156 — Lenzmond ist der März — als Gemeinschaftssippung mit der Brooklynia ausgetragen. Eine Reychsfehde gegen die Novus Portus, ausgefochten in der Concorda-Burg der Totowa unter Schiedsrichterschaft der Brooklynia, ging 2:1 verloren.

Die Tonheroen-Feier, von weiland Rt Hans Sachs begründet, ist fester Bestandteil der Sippungsfolge; die Beiträge sind leichter geworden, die Idee des Urhebers ist geblieben. An der Brückensippung der Landesverbände Nordamerika und Südamerika, an deren Gründung weiland Rt Unser Patsch-Nass beteiligt war, nimmt das Reych alle zwei Jahre teil.

Die Ausritte. Am 18. Christmond 2005 ritt das Reych zum Uhubaumfest in die Totowa. Die vielen Träger des Kolumbusordens und des Ordens „Stern des Nordatlantik“ sind der Beleg, dass Ausreiten hier nicht Theorie ist.

Die Tochter. Die Portus Betsiae erlosch, obwohl die Newarka sie durch wöchentliche Einritte zu halten versuchte. Zehn ihrer Ritter suchten um Aufnahme in der Newarka nach und wurden feierlich eingekleidet; der weithin bekannte Kapitäns- und Admiralskongress der Erloschenen ging zur Weiterführung an die Totowa.

Das Orchester. Das Allschlaraffische Orchester erreichte a. U. 137 zum ersten Mal die Ufer Ahamerikas, auf Einladung der Newarka. Gespielt wurde in der Weill Recital Hall der Carnegie Hall in New York — einem Saal mit 268 Plätzen in einem Haus, das im April 1891 eröffnet wurde. Zwei weitere Spielorte in New Jersey nennt die Chronik des Reyches; nachweisen lassen sie sich bisher nicht.

Und ein Nachruf, der für sich steht. Rt Balser sattelte am 11. Hartung a. U. 151 — Hartung ist der Januar — im 101. Lebensjahr sein Rösslein zum letzten Ritt in die lichten Gefilde Ahallas.

Im Verbund

Die Newarka gehört zu den derzeit acht Reychen des Ordens Stern des Nordatlantik, den erhält, wer sie alle besucht: Newarka, Brooklynia, Filadelfia, Bostonia, Totowa, Bisonia, Washingtonia und Porta Ontariae.

Die Zahl ist nicht für alle Zeiten gesetzt: Ein Bericht von der Kreutzfahrt a. U. 148 spricht von sieben damals zum Stern gehörenden Reychen, und unter den Pflichtreychen des Ordens sind auch erloschene verzeichnet. Stand dieser Angabe: September 2026.

Die schlaraffischen Wörter, die auf dieser Seite vorkommen, erklärt das Glossar der Netzwerkseite schlaraffenfreunde.de.

Die geschichtlichen Angaben dieser Seite sind im elektronischen Allschlaraffischen Reychsarchiv belegt, überwiegend in den Jahrgängen der Deutschen Schlaraffen-Zeitung. Die profanen Angaben zu Newark, Dover, zum Morris-Kanal und zur deutschen Einwanderung sind öffentlich nachprüfbar. Ausdrücklich offen bleiben: ob Rt Nekrasso und Herrl. Nekrassow der Weltschmerzer dieselbe Person sind; die Reihenfolge der Burgen und die Frage, ob Summit Burgort oder nur Festort war; ob das Reych ab a. U. 127 in einem „Germania Park“ in Dover sippte, wie ein Chroniktext angibt — ein öffentlicher Nachweis dafür fehlt, und der Chroniktext ist als maschinelle Verdichtung gekennzeichnet; ob das Central Railroad Hotel an einem Kopfbahnhof lag und ein deutsches Vereinslokal war, wie es hier früher stand; die Zählung der Uhuiversitätstagung, deren fünfzigstes Jubiläum in a. U. 148 nicht zur 31. Tagung in a. U. 130 passt; und die beiden Spielorte des Allschlaraffischen Orchesters in New Jersey. Bei Ereignissen zwischen Hartung und Herbstmond — Herbstmond ist der September — nennen wir die Jahrung und keine profane Jahreszahl, weil die schlaraffische Jahrung im Lethemond beginnt. Wer zu einem dieser Punkte Unterlagen beitragen kann, möge sich bitte melden. Stand: September 2026.


Geschichte der Schlaraffia

Historic photograph of a Schlaraffia gathering

🦉 Schlaraffia in Zahlen: Gegründet 1859 · Über 200 Reyche weltweit · 5 Kontinente · Eine Sprache · Eine Gesinnung: Humor, Freundschaft und Kunst.

Die Wiege: Prag, 1859

Es begann mit einer Handvoll Künstler und Intellektueller im Prag des Jahres 1859. Schauspieler, Dichter, Maler – Menschen, die die Schwere der Zeit für einige Stunden ablegen wollten, um gemeinsam zu lachen, zu spielen und Freundschaft zu pflegen. Sie nannten ihre Runde schlicht: Schlaraffia.

Der Name war Programm: Das sagenhafte Schlaraffenland, jenes Land der Leichtigkeit und Freude, sollte für einige Stunden real werden. Kein Standesdenken, keine Hierarchie des Alltags – nur Spiel, Humor und Kunst.

Das Spiel breitet sich aus

Die Idee sprach sich schnell herum. Schon bald entstanden weitere Reyche in anderen Städten des deutschsprachigen Raums: Wien, Berlin, Hamburg, München. Mit der deutschen Auswanderungswelle im 19. und frühen 20. Jahrhundert wanderte die Schlaraffia mit in die Neue Welt.

New York, Buenos Aires, São Paulo – überall dort, wo deutschsprachige Einwanderer eine neue Heimat suchten, gründeten sie auch einen Schlaraffen-Reych. Das Band der gemeinsamen Sprache und des gemeinsamen Spiels hielt sie zusammen – über alle Entfernungen hinweg.

Schlaraffia überlebt die Stürme der Geschichte

Zwei Weltkriege, politische Umwälzungen, Verbote – Schlaraffia hat vieles überlebt. In Deutschland und Österreich wurde die Vereinstätigkeit in den Kriegsjahren eingeschränkt oder unterbunden. Doch kaum war Frieden, lebten die Reyche wieder auf. Dieser Überlebenswille ist kein Zufall: Wo echte Freundschaft herrscht, findet sie immer einen Weg.

Besonders bemerkenswert: Während in Europa manches Reych temporär pausierte, lebte die Schlaraffia in Übersee ungebrochen weiter. Die Allschlaraffia – der weltweite Dachverband – sorgte für Zusammenhalt und Kontinuität.

Die Allschlaraffia – weltweiter Zusammenschluss

Alle Schlaraffen-Reyche der Welt sind in der Allschlaraffia zusammengeschlossen. Dieser Dachverband regelt die gemeinsamen Spielregeln, vergibt Reychs-Nummern und stellt sicher, dass ein Schlaraffe aus Tokyo bei einer Sippung in Frankfurt sofort zuhause ist.

Die Allschlaraffia hält damit etwas aufrecht, das in der modernen Welt selten geworden ist: Eine Gemeinschaft, die auf Werten gründet – nicht auf Profit oder Networking. Humor, Freundschaft und Kunst sind keine leeren Worte, sondern gelebte Praxis bei jedem Treffen.

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